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01/11/09 Jülicher Nachrichten:
Klangerlebnis Didgeridoo erzeugt Fernweh
Von Regine Beyß 01.11.2009, 14:16
Jülich. Es gab keinen Schnickschnack, keine Lichteffekte und keine
besonderen Überraschungen. Alles, womit Andy Cormann alias AC AKUT
überzeugte, war bloßes Können. Der Jülicher präsentierte ein
Konzert der besonderen Art.
Ein Klangerlebnis, das in unseren Breiten vergleichsweise selten
ist. Denn seine Leidenschaft gilt dem Didgeridoo, das ursprünglich
von den Ureinwohnern Australiens gespielt wird.
Im kleinen Rahmen des Kuba-Salons lud er seine Zuhörer ein, die
Besonderheiten dieses Instruments zu «erhören» und sich dabei in
eine andere Welt versetzen zu lassen.
Zu seiner Ausrüstung gehörten sieben Instrumente und seine Stimme.
Sowohl aus heimischen Hölzern selbst gebaute Didgeridoos wie
Originale aus Australien kamen zum Einsatz. In scheinbarer
Leichtigkeit erzeugte AC AKUT die unterschiedlichsten Rhythmen und
Töne, die den Zuhörer mitunter das ein oder andere Tier vor Augen
rief. Nicht umsonst gehören diese Klänge oft zu
Natur-Dokumentarfilmen.
Davon war Andy Cormann bereits als Kind fasziniert. Inzwischen
spielt er seit 15 Jahren und kann eine beachtliche Sammlung von
Yirdakis – das ist der traditionelle Name der Instrumente – sein
Eigen nennen. In diesem Jahr reiste er zum ersten Mal nach
Australien und konnte dort die Anfertigung der Instrumente selbst
miterleben.
Die Variation an Tönen stellte er zweifelsohne unter Beweis. Obwohl
Cormann den Schwerpunkt an diesem Abend auf das pure Hörerlebnis
legen wollte, durfte die eine oder andere Erklärung natürlich nicht
fehlen. So lernte das Publikum, dass jedes Didgeridoo sein eigenes
Klangspektrum hat und als Verstärkung für die menschliche Stimme
dient.
Der Resonanzkörper verwandelte seine Artikulation in warme,
durchdringende Töne und Rhythmen. Die einzelnen «Songs» folgten
dabei zwar bestimmten Strukturen, sind aber größtenteils
improvisiert. Unerlässlich war dabei die berüchtigte
Zirkularatmung, die vielleicht größte Schwierigkeit beim
Didgeridoo-Spielen.
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19.03.09 Kölnische Rundschau:
Weg vom esoterischen Grundgebrumme
Workshop im Kulturbunker vermittelt Spielweise und Geschichte
des Didgeridoo
Von Christoph Ohrem
Mülheim. Das fast zwei Meter lange Holzrohr, in das Andreas Cormann
hineinbläst hat eine weite Reise hinter sich. Die Fremdartigkeit
der Klänge belegt das. Das Didgeridoo ist nämlich ein Instrument
der Ureinwohner Nordaustraliens. Andreas Cormann besitzt ein
Original. Richtig übersetzen kann man das Wort Didgeridoo nicht. Es
handelt sich um die lautliche Abbildung einer rhythmischen Figur
des Instruments: „Ditsch-eh-ri-duh“.
Andreas Cormann leitet einen Workshop im Kulturbunker Mülheim. Er
führt Anfänger und Fortgeschrittene in die Kunst des
Didgeridoo-Spielens ein. „ Ich möchte, dass wir uns abheben von dem
esoterischen Grundtongebrumme“, witzelt er. Das Instrument ist viel
komplexer, als man im ersten Moment meint. „Im Prinzip funktioniert
die Klangmodulation so ähnlich wie bei einem Synth.“ Das Instrument
verstärkt und verändert den Klang der Stimme, bis es zu jenem
charakteristischen obertonreichen und durchdringenden bassigen
Klang kommt.
Nicht nur die Spieltechnik hat Andreas Cormann gelernt. In seinem
Musikstudium hat er sich mit der Geschichte des Didgeridoos
beschäftigt. „Viele denken, dass jeder Aborigine dieses Instrument
spielt. Aber diese Aussage ist wohl nur für den Tourismus“, stellt
Cormann klar. Mitte der 60er Jahre habe ein australischer
Fernsehmoderator das Instrument bekannt gemacht. Mit der „New Age“
– Welle sei der Hype nach Europa gekommen. Mitte der 90er habe eine
erneute Welle dazu beigetragen, das Didgeridoo bekannt zu machen.
Gerade auch in der Popmusik, wie etwa bei „Jamiroquai“, wurde das
Instrument genutzt. Jetzt sei diese Euphorie abgeebt, aber es gebe
immer noch zahlreiche Interessierte.
Um Didgeridoo spielen zu können, muss man erst seine Muskeln
trainieren. Vor allem die Muskelpartien, die für die Atmung wichtig
sind. Der Workshop beginnt folgerichtig mit einer Einführung in die
Dreiphasen-Atmung. Ein Prinzip das auch Sängern bekannt ist. Die
Kursteilnehmer stehen auf und üben: Die erste Phase ist ein kurzer,
aber heftiger Atemimpuls bis unter die Gürtellinie. Die zweite
Phase funktioniert durch Einatmen in die Flanken. Die dritte Phase
pumpt den letzten Rest in den Brustkorb. Diese angestaute Luft muss
man diese dann kontrolliert ausgeatmet werden. Je schneller man
diese Atemübung ausführen kann, desto näher kommt man einer
Besonderheit des Didgeridoo-Spielens: der Zirkularatmung. Im
Prinzip kann man so beliebig lange einen Ton erzeugen. Neben den
Trockenübungen dürfen die Kursteilnehmer aber natürlich auch
spielen. Andreas Cormann geht herum und gibt jedem Tipps. Markus
Moschek zeigt sich zufrieden: „Zuhause klingt das immer ein
bisschen flach. Aber ein paar Tipps, und jetzt geht er voll ab.“
Während man bei den Trockenübungen doch manchmal noch lachen
musste, ist beim Spielen jeder mit vollem Ernst dabei.
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